Harnstoff

Bedeutung

Harnstoff ist ein Abbauprodukt der Eiweiße und Aminosäuren. Sie werden in der Leber abgebaut und über die Nieren mit dem Urin ausgeschieden. Die Konzentration von Harnstoff im Blut hängt damit von der Höhe des Eiweißabbaus und Aminosäurestoffwechsels und der Nierenfunktion ab und kann stark schwanken.

Der obere Grenzwert von Harnstoff im Blut liegt daher relativ hoch; bei einer Niereninsuffizienz beginnt der Harnstoffspiegel im Blut oft erst nach Ausfall von 75% der Nierenleistung über die obere Normgrenze anzusteigen. Die Harnstoffkonzentration im Blut lässt im Allgemeinen keinen verlässlichen Rückschluss auf die Nierenleistung zu. Bezüglich der Einschätzung der Nierenfunktion wird der Wert Creatinin zu Hilfe genommen. Hohe Werte von Harnstoff im Blut ohne entsprechenden Creatininanstieg sprechen gegen eine höhergradige Nierenschädigung.

In der Wachstumsphase wird weniger Körpereiweiß abgebaut als bei Erwachsenen; bei eiweißarmer Kost (z.B. bei Vegetariern) entsteht ebenfalls weniger Harnstoff, dasselbe gilt für schwere Leberkrankheiten mit eingeschränkter Harnstoffbildung.

Harnstoff – erhöhte Werte

Erhöhte Werte von Harnstoff im Blut können u.a. folgende Ursachen haben:

  • Niereninsuffizienz: Bei Niereninsuffizienz wird weniger Urin gebildet, über den Harnstoff ausgeschieden werden kann.
  • Flüssigkeitsmangel: Verminderte Urinproduktion nach hohem Volumenverlust z.B. nach starkem Schwitzen, Blutung
  • Ernährung: Hohe Eiweißzufuhr z.B. beim Krafttraining, besonders in Kombination mit starkem Schwitzen.
  • Hoher Eiweißabbau: Anhaltender Hunger, Muskelquetschung, Tumorzerfall z.B. unter Chemotherapie.

Harnstoff – erniedrigte Werte

Erniedrigte Werte von Harnstoff im Blut haben in der Regel keine diagnostische Bedeutung. Oft findet man sie bei einer hochgradigen Leberinsuffizienz bei Laktovegetariern, einem toxischen Leberschaden, einer Leberzirrhose oder einer schwer verlaufenden Hepatitis.

Referenzbereich

Die Normbereiche sind altersabhängig:

  • 9 bis 12 Jahre < 38 mg/dl
  • 12 bis 18 Jahre < 43 mg/dl
  • Frauen über 50 Jahre 21 – 43 mg/dl (3,5 – 7,2 mmol/l)
  • Männer über 50 Jahre 18 – 55 mg/dl (3,0 – 9,2 mmol/l)

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